Lukas der Ikonenmaler

 1f66a4ac.xlDiese Ikone zeigt den Evangelisten Lukas als ersten Ikonenmaler. Er sitzt hier vor seiner Staffelei  auf einem Stuhl, der einem Thron gleicht. Ho agios euangelistè loukas: der heilige Evangelist Lukas. Pinsel in der Hand. Sein Äußeres hat etwas Zeitloses. Unten an seinen Füssen ein Gefäß mit Wasser. Auf dem Boden und auf dem Tisch die Pigmente: farbige Erde. Diese Erde wird vermischt mit einer Emulsion aus Eidotter, Essig oder Bier und etwas Nelkenöl darin, damit es nicht schimmelt. Er malt mit der über 2000 Jahre alten Ei-Tempera-Technik, die aus einfachen irdischen Zutaten eine sehr haltbare Farbe macht.

Warum wurde Lukas in der orthodoxen Tradition zum ersten Ikonenmaler gemacht?
Ich denke, dass dies so ist, weil er in seinem Evangelium auch aus einfachen irdischen Zutaten die Gute Nachricht von Jesus Christus komponiert hat:
Nur bei ihm finden wir die Geschichte von dem Vater mit den zwei Söhnen, die sich gegenseitig nicht mochten und von denen einer sein Leben “versaut”. Auch heute kennen wir diese sehr lebensnahe Situation. Auch heute bleiben Eltern Eltern und ist Versöhnung möglich.
Nur bei Lukas finden wir die Geschichte des Mannes, der auf dem Weg überfallen und dem von einem Ausländer geholfen wird: dem barmherzigen Samariter. Auch heute überraschen Menschen, die helfen, wenn Hilfe nötig ist.
Nur bei Lukas finden wir die Geschichte der zwei Freunde, die enttäuscht nach Hause laufen, weil der Lebensweg von Jesus offensichtlich zu Ende ist. Erst beim Teilen von Brot und Wein mit einem Fremden wird ihnen klar, wie Jesus dennoch präsent ist. Auch heute kann überall Emmaus sein.
Nur bei Lukas finden wir die lebensnahe Geschichte von zwei schwangeren Frauen, die sich darauf freuen, dass ihr Kind etwas ganz Besonderes wird: Maria und Elisabeth. Nur bei Lukas ist die Geburtsgeschichte Jesu so ausführlich ausgemalt, wie auch heute die Geburt eines Kindes etwas ganz Besonderes ist, mit vielen Hoffnungen verbunden.

So ist Lukas hier abgebildet, während er die Ikone der Maria mit dem Jesuskind malt. Es ist die älteste und bekannteste Mutter-Gottes-Ikone. Die Abkürzung Mater Theou (MR THU) steht in den Ecken der kleine Ikone. Das Baby auf dem Schoß ist Jesus Christus: abgekürzt IC XC. Er hat die Schriftrolle in der Hand, weil er das Wort Gottes ist, Gott selbst. Das Gold und Rot seines Gewands weisen auf seine göttliche Natur hin, genauso, wie Maria über ihr grünes (irdisches) Unterkleid ein göttliches rotes Gewand mit goldenen Sternen angezogen hat. Diese Variante der vielen Mutter-Gottes-Ikonen heißt die „Mater theo hodigitria“, die „Wegweisende“.

Auch wenn die Ikone so viel erzählt, lässt sie gleichzeitig vieles offen. Dafür steht das Gold: das himmlische Geheimnis. Das Gold ist das Fenster zum Himmel und es symbolisiert den himmlischen Glanz, der in unsere Wirklichkeit fällt.
Das Gold der Ikone lädt uns ein, weiter zu denken. Wie bei den Evangelien verlangt auch die Ikone danach, interpretiert zu werden. Das Gold sagt: starre nicht auf das, was abgebildet ist, sondern schaue durch das Fenster zum Himmel. Nähere dich dem Geheimnis, das wir Gott nennen.