Der Heilige Georg

Der heilige Georg

Georg, altdeutsch: Görg, heute eher Jörg oder Schorsch, englisch: George, französisch: George, spanisch: Jorge, niederländisch: Joris, russisch: Georgi, und so weiter.

Unzählige Jungen und Männer heißen nach dem Heiligen Georg.

Und wer kennt ihn nicht, den Drachentöter?

Aber Georg, heilig? Was ist daran heilig, wenn man Drachen tötet?

 

Um Georg reihen sich Legenden um Legenden. Der ursprüngliche Georg war Märtyrer aus der Zeit der großen Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian, etwa 300 nach Christus. Es ist die gleiche Zeit, in der der heilige Nikolaus lebte. Georg wird jedenfalls in der ersten Kirchengeschichte von Eusebius erwähnt. Aber von einem Drachen tötenden Georg ist erst im 12. Jahrhundert die Rede, im mittelalterlichen Heiligenbuch Legenda aerea. Da soll ein Drachen von der Bevölkerung eine Prinzessin als Opfer gefordert haben. Georg, nun ein Ritter, tötet den Drachen, damit die Prinzessin nicht sterben muss und getauft werden kann. Auch soll Georg als Ritter in dem ersten Kreuzzug im Jahr 1099 plötzlich bei der Eroberung von Jerusalem erschienen sein. Er hat in der Schlacht geholfen und so haben die Kreuzritter den Sieg errungen. Georg stieg nun auf zum großen Ritterhelden und zum Patron von Herrschern, Burgen und Städten.

Als Heiliger zählte er zu den 14 Nothelfern, dessen Anbetung gegen allerlei Krankheiten und Bedrohungen helfen soll. Georg wurde Schutzpatron von Rittern, Legionären, Schmieden, Bergleuten, Wanderern, Pfadfindern usw.

Weil aber im 20. Jahrhundert immer mehr bezweifelt wurde, dass sich hinter diesen vielen Legenden überhaupt noch ein Heiliger versteckte, wurde Georg im Jahr 1969 aus dem römischen Heiligenkalender gestrichen. Seine Popularität führte allerdings dazu, dass er schon 1975 wieder im Kalendarium aufgenommen wurde. Ich denke zu Recht. Georg kann für Christinnen und Christen als heilig, als besonders, als herausgehoben gelten, steht der Drache doch für das Böse schlechthin. In seinem Kampf gegen das Böse kann Georg uns als Vorbild dienen.

Wir ducken ja gerne. Wir hoffen gerne, dass das Böse von selbst verschwindet. Wir hoffen doch gerne, dass unsere bescheidenen Versuche, in unserem Umfeld das Gute zu tun ausreichen, um das Böse verschwinden zu lassen. Oder wir sind schon resigniert und klagen, dass das Böse eh zu groß ist, um es bekämpfen zu können. Was kann ich schon ausrichten?

Dabei vergessen wir vielleicht, dass das Leben als Christ sich bewegt zwischen Spiritualität und Engagement. Das ist für Christinnen und Christen wie das Ein- und Ausatmen: das Auf­tanken durch Gottes Geist und die Arbeit zur Veränderung der Wirklichkeit, mit Gottes Hilfe.

Spiritualität ist gut, aber der christliche Glaube ist nicht nur die Wellness-Oase, die nette Auszeit, ist nicht nur das Sich-etwas-Gutes-tun, das schöne Singen und Malen. Wer nur einatmet wird bald anfangen zu hyperventilieren.

Wer eingeatmet hat, muss auch ausatmen. Und daran erinnert uns der Heilige Georg.

Er bekämpft das Böse.

Was heißt das heute?

  • Das sind die falsche Strukturen in unserer Welt
  • Das ist die Eigenlogik des Geldes, die in unserer Welt sehr viel beherrscht.
  • Das ist die Dummheit und die Verantwortungslosigkeit
  • Das ist die Arroganz der Macht
  • Das ist aber auch meine Beschränktheit als Mensch,
  • Es ist meine Fehlerhaftigkeit
  • Es ist mein Mangel an Gottesglauben.

 

Ein Detail aus der Ikone, die nach dem Vorbild nordrussischer Ikonen gemalt ist, möchte ich noch hervorheben. Es ist die Spitze von Georgs Lanze, die durch die Zunge des Drachens sticht. Das erinnert mich an Psalm 12! Ein altes Glaubenslied, schon etwa 3000 Jahre alt, aber mit erstaunlicher Aktualität:

„Hilf doch, o Herr, die Frommen schwinden dahin,

unter den Menschen gibt es keine Treue mehr.

Sie lügen einander an, einer den andern,

mit falscher Zunge und zwiespältigem Herzen reden sie.

Der Herr vertilge alle falschen Zungen, jede Zunge, die vermessen redet.

Sie sagen: ´Durch unsere Zunge sind wir mächtig;

unsere Lippen sind unsere Stärke. Wer ist uns überlegen?´

Die Schwachen werden unterdrückt, die Armen seufzen.

Darum spricht der Herr: ´Jetzt stehe ich auf, den Verachteten bringe ich Heil.“

 

Als Junge war ich bei den Pfadfindern. Wir führten auch jährlich ein Joris-Spiel auf und wir hatten als Motto: „Jeden Tag eine gute Tat.“ Das wurde oft belächelt, vor allem in den 1970er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als „die falschen Strukturen“ der Inbegriff des Bösen wurden. Wir sollten dies aber nicht gering achten: Jeden Tag eine gute Tat. Oder um es biblisch zu sagen: „Überwinde das Böse durch das Gute!“ Das gilt überall, aber insbesondere direkt um uns herum! So soll das Böse nicht ganz die Macht über uns gewinnen.

Der heilige Georg erinnert uns daran, dass das Böse bekämpft werden muss, insbesondere die bösen Zungen. Wie sprechen wir? Was lassen wir an Unfug durchgehen? Warum gewöhnen wir uns an eine immer gröbere Sprache? Wo widersprechen wir? Was tun wir dagegen? Und: Wie hängt unser eigenes Reden mit unserem Tun zusammen?